Explizit und implizit unterscheiden
Explizites Wissen lässt sich aufschreiben: Preislisten, Arbeitsanweisungen, Normen, Vertragsinhalte. Implizites Wissen steckt in Handgriffen, Einschätzungen und Routinen. Die erfahrene Sachbearbeiterin weiß, welche Anfrage dringend ist, bevor sie den Text fertig gelesen hat. Fragt man sie nach der Regel, fällt die Antwort oft vage aus – nicht weil sie nichts weiß, sondern weil das Wissen nicht als Regel vorliegt.
Warum es für Betriebe so wichtig ist
Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen trägt implizites Wissen einen großen Teil der Qualität. Es macht den Unterschied zwischen einem Angebot, das passt, und einem, das formal korrekt, aber am Bedarf vorbei ist. Weil es nicht dokumentiert ist, wird es oft erst wahrgenommen, wenn die Person ausfällt oder den Betrieb verlässt.
Teilweise sichtbar machen
Ein Teil des impliziten Wissens lässt sich in explizites übersetzen. Hilfreich sind Fragen am konkreten Fall: „Warum haben Sie hier anders entschieden?“ oder „Woran haben Sie das erkannt?“. Die Antworten ergeben Faustregeln, Checklisten oder Hinweise an der Vorlage. Auch die Spuren der Arbeit – Mails, Angebote, Notizen – enthalten Muster, die sich auswerten und mit den Erfahrenen besprechen lassen.
Was bleibt, wenn man alles aufschreibt
Ein Rest lässt sich nicht übertragen, und das ist kein Versagen. Gespür entsteht durch Wiederholung, Beziehungen durch Kontakt. Deshalb ist gemeinsames Arbeiten – Mitlaufen, Vier-Augen-Phasen, Rückfragen – für implizites Wissen wichtiger als jedes Dokument. Werkzeuge können unterstützen, indem sie vorhandene Spuren auffindbar machen, sie ersetzen aber nicht die Zeit, in der jemand Erfahrung sammelt.